Als Ergebnis mehrerer Workshops haben wir ein Konzept für unseren Ortsteil entwickelt, das hier als PDF-Datei heruntergeladen und nachfolgend gelesen werden kann. Wir haben das Konzept in vier Schwerpunkte gegliedert:

1 Gartenstadt: Naturräume an der Schnittstelle von Stadt und Land
2 Verkehr: Verkehrsplanung und Raumordnung
3 Kultur und Soziales: Kulturelle Identität und Image / Öffentlichkeit und Zusammenleben
4 Umsetzung des Konzeptes

Kurz vorweg: Heinersdorf heute

Heinersdorf hebt sich durch seine besondere bauliche Gestalt (kleinteilige Mischbebauung, umgeben von Kleingärten und Grünflächen) deutlich von den umliegenden, eindeutig städtischen Vierteln ab. Heinersdorf hat das Potenzial zu einem attraktiven Stadtteil, sofern man seinen Charakter durch umsichtige Planung erhält. Faktisch jedoch hat sich in der Vergangenheit die Lage zwischen Pankow und Weißensee - ohne echte Zugehörigkeit zum einen oder anderen - zum Nachteil des Stadtteils ausgewirkt. Dieser Zustand hat nach unserer Meinung auch dazu geführt, dass sich viele Bürger nur wenig oder gar nicht für ihren Stadtteil interessieren und sich schon gar nicht mit ihm identifizieren.

Städtebauliche Situation
Die derzeitige städtebauliche Situation ist unbefriedigend. Ein Durcheinander von Wohngebieten, Gewerbeflächen und Brachen, die sich gegenseitig beeinträchtigen, prägt das Bild. Mangels eines klaren Gesamtkonzepts ist Heinersdorf wenig attraktiv für Investoren. Die Verkehrserschließung entspricht nicht den Erfordernissen.

Verkehrsbelastung
Die Verkehrsbelastung auf sämtlichen Heinersdorfer Durchgangsstraßen ist in den vergangenen Jahren stetig schlimmer geworden: Die Errichtung neuer Wohngebiete in Heinersdorf („Blumenwinkel“) und Karow-Nord sowie die Ansiedlung großer Gewerbebetriebe (z. B. Kaufland) haben zu einer extremen Verschärfung dieses Zustandes geführt. Eine weitere Belastung ist der erhebliche LKW-Verkehr durch Baugewerbe und Entsorgungsbetriebe, die auch für Beeinträchtigungen der Luftqualität verantwortlich sind.

Infrastruktur und öffentlicher Raum
Der öffentliche Straßenraum ist größtenteils verkommen. Vielfach dient er als illegale Müllkippe, zum Beispiel gegenüber der Grundschule am Wasserturm. Attraktiven Einzelhandel gibt es nicht mehr, Post, Sparkasse und selbst das Freizeithaus für Kinder wurden geschlossen. Als einzige öffentliche Einrichtung ist die Grundschule übrig geblieben.
Die wenigen gewerblichen Investitionen richten sich nicht nach dem Bedarf der Einwohner. Schnellimbisse, Tankstellen, Gebrauchtwagenhändler und Baumärkte haben sich - teilweise an ungeeigneter Stelle - angesiedelt.

Der Handlungsdruck ist groß, weitere Verzögerungen kann man sich nicht mehr leisten!

Die Defizite wurden alle genannt. Deshalb möchten wir uns jetzt auf die Stärken von Heinersdorf konzentrieren:
Das viele Grün, die Weitläufigkeit, die vielen Gärten und die Nähe zur Stadt.

In der Vergangenheit gab es bereits Versuche, das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Sie sind immer wieder gescheitert, so dass keine Verbesserungen erreicht werden konnten.

Dieses Konzept umfasst erstmalig nicht nur einzelne Problembereiche, sondern betrachtet den Ort im Ganzen. Es schlägt einen Bogen von der Natur über den Verkehr hin zu den Menschen, die dort leben. Es wurde von Heinersdorferinnen und Heinersdorfern gemacht.

Unser Beitrag zur Umsetzung dieses Konzeptes:

  • Aktive Zusammenarbeit mit Behörden, Politikern, Planern, Entwicklern, Investoren und Kleingärtnern vor Ort
  • Beteiligung an Aktionen und Realisierung konkreter Projekte vor Ort
  • Interessenvertretung für Heinersdorferinnen und Heinersdorfer

Wir wollen Heinersdorf neu gestalten. Diese Vorlage ist der erste Schritt. Wir denken über eine Zukunftskonferenz in Heinersdorf nach. Auf dieser Konferenz wollen wir unsere Ideen einer breiten Öffentlichkeit vortragen und gemeinsam mit allen Interessierten weiter entwickeln.

 

1 Gartenstadt Heinersdorf

Gartenstadt als zukunftsfähiges Konzept
Die Gartenstadt ist ein Stadtentwicklungskonzept des Briten Ebenezer Howard aus dem Jahre 1898. Er reagierte seinerzeit auf die schlechten Wohnverhältnisse einfacher Menschen in den Großstädten. Die Vorteile von Stadt und Land sollten miteinander verbunden werden. Dabei sollten Bereiche wie Wohnen, Industrie, Landwirtschaft, Arbeitsstätten, öffentliche Räume und Verkehr sinnvoll getrennt oder auch kombiniert werden. Gartenstadt bedeutet mehr als nur Begrünung und Bepflanzung ungenutzter Restflächen im Stadtraum. Sie kann heute ein überzeugendes Planungsmuster für Schnittstellen zwischen Stadt und Land sein.

Warum eine Gartenstadt Heinersdorf?
Die dezentral gewachsene Struktur und Bebauung in Heinersdorf weist charakteristische Merkmale einer Gartenstadt auf: lockere, niedrige Bebauung mit Einfamilien- und Reihenhäusern und vielen, vielen Gärten. Heinersdorf kann - als ausgewiesene Nordberliner Frischluftschneise - viel Grün, frische Luft und Entspannung bieten. Obwohl Heinersdorf so viele Biotope, Brachen und Freiflächen besitzt, gibt es keinen öffentlichen Raum, in dem Menschen sich begegnen können.

Heinersdorf ist der Vorgarten der Innenstadt. Er kann ein lohnendes und leicht erreichbares Naherholungsgebiet werden. Heinersdorf stellt eine Schnittstelle zwischen Stadt und Land dar. Viele Wege ins Umland beginnen hier.

Eine Ballung der Naturräume ist entlang der Nord-Süd-Achse zu erkennen. Im Gegensatz dazu steht die Hauptverkehrsrichtung Ost-West. Damit könnte sich unser Gartenstadt-Konzept räumlich harmonisch in aktuelle Verkehrsströme und -planungen einpassen.

 

2 Verkehr

Die Realisierung einer Gartenstadt ist nur möglich, wenn ein klares Verkehrskonzept den Ort neu strukturiert. In der Bezirksverwaltung gibt es derzeit folgende Straßenplanungen:

  • Nordöstliche Umfahrung (Bahngleise) zwischen Rennbahnstraße und Blankenburger Straße
  • Nordwestliche Umfahrung (verlängerte Rothenbachstraße) bis zur Blankenburger Straße

Diese Planungen stammen aus dem Jahr 2003 und müssen aufgrund der heutigen Verhältnisse und entsprechend unserem Gartenstadt-Konzept neu betrachtet werden.

Mögliche Idee der Arbeitsgruppe Verkehr:

  • Der Ost-West-Verkehr wird vom Nord-Süd-Verkehr getrennt.
  • Die Romain-Rolland-Straße wird weiterhin als Durchgangsstraße benutzt.
  • Der Nord-Süd-Verkehr wird über die neue Umfahrungsstraße an den Bahngleisen geführt.
  • Der untere Teil der Blankenburger Straße kann als Fußgängerzone ausgebaut werden. Denn die Veränderung der Verkehrsflüsse macht die Entwicklung eines urbanes Zentrums möglich, das sich nördlich der Romain-Rolland-Straße befinden könnte. Damit könnte auch das Gelände der Evangelischen Kirche Teil dieses Zentrums sein.

 

3 Kultur & Soziales

  • Der Wasserturm - als möglicher kultureller und sozialer Treffpunkt - wird schon seit einiger Zeit zum Verkauf angeboten. Nach neusten Informationen gibt es einen potentiellen Investor. Das Bezirksamt sollte mit den Investoren Auflagen für eine sozio-kulturelle Nutzung des Wasserturms vereinbaren. Ein Teil der Nutzfläche des Wasserturms muss zum Aufbau eines kulturellen Zentrums (Treffpunkt für Alt und Jung) frei gehalten werden. Die Räumlichkeiten könnten, neben gastronomischer Einrichtung als Kinder- und Jugendclub, Seniorentreff, eventuelle Zweigstelle für Musikschule, Mediathek etc. genutzt werden. Eine Alternative zu diesem Standort ist das alte Krankenhaus. Es wird ebenfalls zum Verkauf angeboten.
  • "Grundschule am Wasserturm" soll als Partnerin für sozio-kulturelle Aktionen gewonnen werden.
  • Gründung eines Heinersdorfer Bürgervereins
  • Gründen eines offenen, monatlichen Heinersdorfer Stammtisches
  • Zur Veröffentlichung wichtiger Termine sollen die Lokalanzeiger „Wochenblatt“ und „Abendblatt“ eingesetzt werden. Dazu wird die Errichtung einer eigenen Schautafel „Zukunftswerkstatt Heinersdorf“ als optimal angesehen. Alternativ ist zu prüfen, inwieweit Anschläge bei der AWO, bei PLUS, im Zeitungsladen u. ä. möglich sind.
  • Tag der offenen Gärten - Angelehnt an die Idee anderer Gartenstädte (z.B. Baumblüte in Werder) kann ein „Tag der Offenen Gärten“ in Heinersdorf veranstaltet werden. An diesem Tag können Heinersdorfer Klein- und Großgärtner ihre privaten Gärten für Besucher aus ganz Berlin öffnen. Bei dieser Gelegenheit haben wir die Möglichkeit, die Gartenstadt Heinersdorf bekannt zu machen.
  • Kleines Heinersdorfer Sommerfest: Ein buntes Sommerfest für alle Generationen auf einem öffentlichen Platz in Heinersdorf ist eine weitere Möglichkeit, das Image des Ortes zu stärken. Ein möglicher Ort kann der Platz A sein. Neben einem kleinen Imbissangebot mit Kuchen und Getränken soll es Spielmöglichkeiten für Kinder und Musik für jedermann geben.

 

4 Schritte zur Umsetzung des Gartenstadt-Konzepts

  1. Neuordnung der Flächen
    Die für Wohnen und Gewerbe genutzten Flächen müssen neu geordnet werden. Dabei müssen Freiflächen und Biotope planerisch erfasst und ein Bebauungsplan im Sinne einer Gartenstadt entwickelt werden.
  2. Regelung des Verkehrschaos
    Der Durchgangsverkehr muss neu geregelt werden, so dass er nicht länger als Barriere wirkt. Die Romain-Rolland-Straße muss vom Dauerstau befreit und ansprechend gestaltet werden. Es muss sich für Investoren lohnen, die alten unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu sanieren.
  3. Entwicklung eines Wegesystems für Spaziergänger und Radfahrer
    Der Grüngürtel um den Ortskern muss erhalten bleiben und durch öffentliche Grünflächen und Spazierwege erlebbar werden. Öffentliche und teilöffentliche Anlagen (Platz A, Sleipnerplatz, Kastanienwäldchen, Pfarrgarten) sowie die Heinersdorfer Wohnviertel (Opernviertel, Schweizer Viertel, Götterviertel, Blumenwinkel) sollen in dieses Wegesystem eingebunden werden. Ähnlich sollen bestehende Wege für Reiter von Malchow nach Heinersdorf erweitert werden.
  4. Umweltverträgliches Gewerbe
    Heinersdorf ist eine ausgewiesene Frischluftschneise für die Innenstadt. Das Gewerbe muss in diesem Sinne umweltverträglich werden. Dabei könnte das Gewerbegebiet ganz gezielt auf Biotechnologie, Umwelttechnik oder ähnliche passende Branchen ausgerichtet werden.
  5. Erweiterung des Naturparks Barnim
    Der Naturpark Barnim endet an der Bahntrasse/Autobahn. Er soll erweitert werden bis zur Kolonie Märchenland.
  6. Vernetzung der Sportstätten
    Bestehende Sport- und Freizeitmöglichkeiten sollen miteinander vernetzt werden, z. B. Golfplatz, Sportkomplex Rennbahnstraße, Reitstall Malchow. Sie sollen durch neue Angebote bereichert werden. Auf der stillgelegten Industriebahntrasse soll eine Skaterbahn errichtet werden. Entlang der Spazierwege soll es Verweilmöglichkeiten (kleine Sitzecken mit Bänken, kleine Spielplätze) geben. Ein Trimm-dich-Pfad soll die Sportstätten sinnvoll miteinander verbinden.
  7. Vernetzung des Öffentlichen Nahverkehrs
    Die Naherholungsfunktion der Gartenstadt muss durch gute Erreichbarkeit mit öffentlichem Verkehr unterstützt werden:
    Die direkte Straßenbahnanbindung an Prenzlauer Berg und Mitte muss erhalten bleiben.
    Der S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf liegt sehr dezentral und soll durch eine Verlängerung der Straßenbahn besser an den Ort angebunden werden. Busverbindungen müssen an zentraler Stelle mit attraktiven Umsteigemöglichkeiten ausgestattet werden.
  8. Schaffung eines öffentlichen Ortes der Begegnung
    Eines der leer stehenden Heinersdorfer Baudenkmale, zum Beispiel der Wasserturm oder das alte Krankenhaus, soll durch entsprechende Auflagen beim Verkauf für eine öffentliche / kulturelle / gastronomische Nutzung vorgesehen werden.
  9. Visualisierung der Schnittstellenfunktion
    Im Schinkelwettbewerb 2004 wurden verschiedene Entwürfe für das Bahngelände Pankow-Heinersdorf prämiert. Der Entwurf von Katja und Gerko Schröder, Fachsparte Kunst und Bauen (Dokumentation Seite 16), greift die Funktion als Schnittstelle zwischen Stadt und Land künstlerisch auf und fügt sich hervorragend in unser Gartenstadt-Konzept ein. Er soll deshalb in die Planungen aufgenommen werden.
  10. Vision: BUGA 2011 in der Gartenstadt Heinersdorf
    Im Jahr 2011 feiert der Heinersdorfer Wasserturm sein einhundertjähriges Jubiläum. Die Möglichkeit einer Bundesgartenschau soll für das Jahr 2011 geprüft werden. Die letzte Berliner BUGA fand im Jahr 1985 im Britzer Garten statt.