Gartenstadt Heinersdorf

Haben Sie schon mal was von HEINERSDORF gehört? Wahrscheinlich nicht. Und wenn überhaupt, dann vielleicht wegen eines dicken Streits um den Bau einer Moschee. Kaum zu glauben, dass so etwas möglich ist in einer Metropole wie Berlin eine sein will. Wir finden es schade, dass unser kleiner Ortsteil Berlin-Heinersdorf (ganz im Nordosten, gehört zu Pankow) so negativ und so ungerechtfertigt in die Schlagzeilen geraten ist und versuchen mit vereinten Kräften, aus dem Dilemma rauszukommen. "Heinersdorf, öffne dich!" Wie soll das funktionieren in einem Viertel, in dem fast jeder im eigenen Häuschen wohnt, am Wochenende den Rasen mäht und kaum über seine Hecke guckt? Soziales Miteinander? Wozu? Ich grille MEINE Würstchen in MEINEM Garten.

Als lose Initiative haben wir angefangen, nach öffentlichen Plätzen zu suchen, die man gemeinsam nutzen kann. In Workshops haben wir diese Orte "vernetzt", uns Systeme überlegt, wie man die Vernetzung erfahrbar (mit dem Fahrrad) oder erlaufbar (mit den Füßen) machen kann. Das Konzept haben wir Gartenstadt Heinersdorf genannt. Das hat vielen Heinersdorfern gefallen. "Gartenstadt, das waren wir früher mal! Das war schön." Was wir heute damit meinen, ist keine formale Siedlung mit Volkstanzplatz in der Mitte. Vielmehr sollen die verschiedenen Wohnviertel sinnvoll miteinander verbunden werden. Für Heinersdorf und seine Besucher (z.B. aus Berlin-Mitte oder Prenzlauer Berg) soll eine Radtour durch Heinersdorf eine willkommene Alternative zu einem Wochenendausflug nach Brandenburg sein. Heinersdorf ist der Vorgarten zur Stadt. Man kann es eindrucksvoll vom Wasserturm, dem Wahrzeichen des Ortes, betrachten.

Im letzten Jahr sind wir ein (gemeinnützig anerkannter) Bürgerverein Zukunftswerkstatt Heinersdorf geworden und haben begonnen, erste Projekte in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir haben eine dreitägige Zukunftskonferenz mit 70 Teilnehmern durchgeführt, die sich ausschließlich mit der Zukunft von Heinersdorf befasste. Mit viel Muskelkraft haben wir einen brachliegenden Platz wieder in einen Spielplatz verwandelt. Wir haben ein Dorffest organisiert, dass über 1.000 Menschen aus ihren Gärten lockte und 1.800,- EUR einbrachte. Das Geld sammeln wir für die Sanierung eines kaputten Sportplatzes. Im Moment renovieren wir eine runtergekommene Ladenwohnung, die bald ein Nachbarschaftstreff für alle Heinersdorfer sein soll. "Hier gibt's ja nicht mal eine Krabbelgruppe!" In Kürze werden wir uns im Berliner Senat stark machen für unsere städtebaulichen Ideen. Unsere Vereinsvorsitzende Sandra Caspers wurde von der TAZ für den TAZ Panter Preis 2008 nominiert.