Etliche Barrieren

Berliner Woche Nr. 22, 30.05.2012

Senatorin Sandra Scheeres machte mit dem Rollstuhl den Praxistest
Heinersdorf. Die Gehwege im Heinersdorfer Ortsteilzentrum sind für Menschen, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, eine einzige Holperpiste. Diesen Eindruck nahm Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach einem Praxistest auf der Romain-Rolland-Straße mit. Die Senatorin ist zugleich Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Ihr Wahlkreis besteht aus Pankow-Süd und Heinersdorf. Als sie vor einiger Zeit bei einem Wahlkreistag in der Heinersdorfer Begegnungsstätte „Quasselstube“ mit Senioren ins Gespräch kam, beklagten sich die älteren Heinersdorfer über den schlechten Zustand der Gehwege. „Wenn ich helfen soll, muss ich mir selbst ein Bild machen“, sagte sich Sandra Scheeres. Wenig später hatte sie eine Einladung der AWO Nordost zu einem Rolli-Spaziergang durch Heinersdorf auf dem Tisch. Vor wenigen Tagen fand dieser Spaziergang statt. Damit sie die Unwägbarkeiten hautnah mitbekommt, setzte sich Sandra Scheeres selbst in einen Rollstuhl. Als fachkundiger Rollstuhl-Anschieber konnte Heinz Fabian gewonnen werden. „Ich habe einen Lehrgang mitgemacht und kenne alle Tricks und Kniffe, die ein Anschieber beherrschen muss“, erzählt der Fachmann. „Mehrmals in der Woche schiebe ich ehrenamtlich Rollstuhlfahrer, gehe mit ihnen spazieren oder einkaufen.“ Aus seiner Praxis weiß Heinz Fabian auch ganz genau, wo es auf den Gehwegen hakt. Auf der Romain-Rolland-Straße gibt es etliche Stellen, auf die das zutrifft. Da sind zum Beispiel Gullys auf Gehwegen. Dann kommt man an kleinteilige Pflasterflächen.
Besonders prekär wird es beim Überqueren der Straße. An manchen Stellen sind die Bordsteine bereits abgesenkt. Aber noch gibt es zu viele Einmündungen, an denen die Bordsteine für Rollstuhlfahrer einfach zu hoch sind. Äußerst unglücklich ist die Situation an der Ecke Romain-Rolland- und Rothenbachstraße. Wenn Rollstuhlfahrer dort die Fahrbahn überqueren möchten, ist das allein gar nicht möglich. Am Straßenrand wurde bei Bauarbeiten eine derartige Flickschusterei vorgenommen, dass man weder mit dem Rollstuhl noch mit dem Rollator ungefährdet auf die Fahrbahn gelangen kann. „Für mich war es äußerst interessant, die Straße aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers zu erleben“, gesteht Sandra Scheeres. „Man nimmt die Gehwegschäden viel bewusster wahr.“ Aber wie soll es nun weitergehen? Der Abgeordneten gelang es, auch die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) für das Thema zu sensibilisieren. Die stellvertretende Fraktionschefin Lina-Mareike Dedert, die zugleich im Stadtentwicklungsausschuss sitzt, will mit Fraktionsmitgliedern einen Antrag für die BVV formulieren. In dem wird eine Verbesserung der Situation auf dem Gehweg der Romain-Rolland-Straße gefordert.