Rasche Hilfe für Opfer

Berliner Woche Nr. 9, 29.02.2012

Weißer Ring betreibt auch in Pankow eine Trauma-Ambulanz
Heinersdorf. Die Pankower Außenstelle des Weißen Rings kann Opfer von Straftaten, die unter starker psychischer Belastung leiden, jetzt besser unterstützen. „Seit Anfang des Jahres gibt es im Land Berlin Trauma-Ambulanzen“, sagt Regina Geis. Die Heinersdorferin ist Außenstellenleiterin des Opferhilfevereins Weißer Ring für den Bezirk Pankow. In der Trauma-Ambulanz können sich Menschen nach einem Gewalterlebnis beraten lassen. Es wird geklärt, welche Schritte zur psychischen Stabilisierung unternommen werden sollten. „Wer die Trauma-Ambulanz nutzen möchte, muss beim Landesversorgungsamt einen Antrag gemäß Opferentschädigungsgesetz gestellt haben“, sagt Regina Geis. „Allein die Antragsstellung genügt, um ein Anrecht auf einen Besuch bei der Ambulanz zu haben. Wir unterstützen Opfer bei Bedarf auch bei der Antragstellung.“
Für Regina Geis ist die Einrichtung der Berliner Trauma-Ambulanzen ein großer Erfolg. Bisher hatten Opfer zwar schon die Möglichkeit, sich von einem Psychologen behandeln zu lassen. Aber ehe man dort einen Termin bekam, verging viel Zeit. Das führte dazu, dass sich bei manchen Opfern Ängste festsetzten. „Deshalb forderte der Weiße Ring schon seit Langem, endlich Trauma-Ambulanzen als schnelle Hilfe einzurichten“, so Regina Geiß. „Opfern von Überfällen, Vergewaltigungen oder Schlägereien muss rasch geholfen werden.“ Wie schwer es Opfer von Gewaltverbrechen haben, mit der Tat fertig zu werden, weiß Regina Geis sehr genau. Die Seniorin leitet seit 13 Jahren den Weißen Ring in Pankow. Sie koordiniert die Arbeit von fünf ehrenamtlich tätigen Opferhelfern, die alle um die 30 Jahre alt sind. Regina Geis und ihre Mitarbeiter beraten die Opfer von Gewalttaten nicht nur, sie bereiten sie auch auf Gerichtsverhandlungen vor und begleiten sie zu Prozessen. Denn wenn die Opfer in einer Gerichtsverhandlung ihrem Täter gegenübertreten müssen, ist das für viele schon im Vorfeld eine sehr bedrückende Situation. Neben der Prozessbegleitung bietet der Weiße Ring den Opfern natürlich auch jede Menge Informationen an. Dazu wurde unter anderem ein Blatt „Gewalt erleben – was nun?“ erarbeitet. In diesem erfahren Opfer, welche Traumata es nach einer Straftat geben kann, wo es Hilfe gibt und wie man sich vielleicht auch selbst helfen kann. „Wir beraten jetzt auch bei Cyber-Mobbing“, sagt Regina Geis. „Es gibt zwar kein spezielles Cyber-Mobbing-Gesetz, aber die derzeitige Rechtslage reicht aus, um derartiges Handeln zu verfolgen und zu ahnden.“ Unter anderem werden dabei Straftatbestände wie Beleidigung, Verleumdung, Bedrohung oder üble Nachrede bei Gerichtsverhandlungen herangezogen. Dass sich Regina Geis so für die Opfer einsetzt, hängt mit ihrer früheren beruflichen Tätigkeit zusammen. Sie war beim Versorgungsamt beschäftigt und hatte unter anderem mit Opferentschädigungsangelegenheiten zu tun. „Als ich in den Ruhestand ging, fand ich es schade, dass ich nun mit meinem umfangreichen Wissen nichts mehr anfangen konnte. Darum entschloss ich mich, es dem Weißen Ring zur Verfügung zu stellen.“