Die Angst der Anwohner vor der Schnitzel-Lawine

Berliner Kurier, 11.01.2013

Pankow - In Heinersdorf soll eine gigantische Fleischfabrik entstehen: 328 Meter lang, 60 Meter breit. Mit 44 Laderampen, an denen rund um die Uhr Lastwagen andocken. Die Anwohner sind entsetzt. Sie fürchten neben Verkehrslärm und verstopften Straßen auch unangenehme Gerüche.
Die Fabrik soll an der Blankenburger Straße/Ecke Mimestraße auf einer Brache entstehen – die Grundfläche so groß wie sieben Fußballfelder. Die Bauherren, zwei türkische Großhändler, wollen hier künftig Fleisch zerlegen, Wurst produzieren und ein Zentrallager einrichten. „Das Gebiet liegt eingekeilt zwischen Wohngebieten, außerdem fehlen Anbindungsstraßen“, sagt Sandra Caspers (43) vom Verein Zukunftswerkstatt Heinersdorf. „Solche Logistikunternehmen gehören auf Flächen mit direkter Autobahnanbindung und nicht hierher.“
Die Gegner des Bauprojekts fühlen sich auch durch die Angabe zum Verkehrsaufkommen getäuscht. Laut bisheriger Planung sollen täglich 102 Lkw fahren. „An 44 Laderampen?“, fragt Caspers. „Wir befürchten, dass die Zahl der Fahrzeuge für die Baugenehmigung absichtlich niedrig angesetzt wurde. Außerdem fordern wir, den Lieferverkehr auf die Zeit von 6 bis 20 Uhr zu begrenzen.“
Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) kann die Aufregung nicht verstehen. „Bisher gab es einige Dutzend Änderungsvorschläge. Ende Januar wissen wir, ob weitere Gutachten eingeholt werden müssen.“ Er kann sich vorstellen, dass möglicherweise neue Zufahrtstraßen angelegt und Kreuzungen ausgebaut werden. Baubeginn soll Ende 2014 sein. Arbeitsplätze für Pankow, noch so ein Streitpunkt aus der Planung, würden nicht entstehen. Die meisten der 195 Beschäftigten arbeiten heute schon am Großmarkt Beusselstraße. BACH

Auf dieser Fläche soll die Fleischfabrik entstehen. Anwohner Gabriel Baltrock (38): „Hier könnten viele bezahlbare Wohnungen für junge Familien gebaut werden.“
„Eine Fleischfabrik in dieser Größe“ ist für Ines Mergen-Falckner (47) unvorstellbar. „Ich bin überzeugte Vegetarierin. Fleisch ist vollgepumpt mit Antibiotika. Völlig überflüssig.“
„Wir haben seit 1966 einen Garten ganz in der Nähe“, sagt Gisela Kober (74). „Ich befürchte, dass die Straßen noch voller sind, auch nachts. Keine schöne Vorstellung.“