Ein Imam verlässt die Stadt

Berliner Zeitung vom 16.1.2014

von Stefan Strauss
Berlin –  16 Jahre lang hat  Imam Abdul Basit Tariq die Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Berlin geführt. Die wurde wegen der Auseinandersetzungen um den Bau der ersten Moschee in Ostdeutschland bekannt. Imam Tariq verabschiedet sich nun von Berlin. Zum Abschied findet Abdul Basit Tariq herzliche Worte. „In Berlin habe ich die längste und aktivste Zeit meines Lebens verbracht. Ich werde diese Stadt nicht vergessen.“

Die Khadija Moschee in Heinersdorf hat den Imam berühmt gemacht. 16 Jahre lang, mit Unterbrechungen, hat Abdul Basit Tariq in Berlin die Ahmadiyya Muslim Gemeinde mit ihren etwa 200 Mitgliedern geleitet. Der Bau einer Moschee am nördlichen Stadtrand in Heinersdorf machte die unauffällige Glaubensgemeinschaft 2006 plötzlich bundesweit bekannt. Denn Anwohner und rechte Gruppen protestierten massiv gegen das Gotteshaus. Sie fürchteten, die Moschee werde zum Schulungszentrum für Islamisten, Hunderte Muslime würden nach Heinersdorf ziehen und schnell könnten die Grundstückspreise sinken. Es gab aber auch viele Unterstützer für die erste Moschee in Ostdeutschland.

2008 eröffnete die Khadija Moschee. Der Kalif aus London reiste an, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse kam und 500 Polizisten bewachten die Zeremonie. Tariq zog mit seiner Familie in ein Wohnhaus neben der Moschee. Er wurde Heinersdorfer und empfing dort ständig Gäste: Schüler, Studenten, Politiker, Reisegruppen, Architekten, Pfarrer, Rabbiner und Buddhisten. dieser Satz war sein Motto. Heute protestiert niemand mehr gegen die Moschee.

Und der Imam wird woanders gebraucht. Der 66-jährige Islamwissenschaftler wird versetzt, so legen es die Regeln fest. Künftig leitet der Imam die Ahmadiyya-Moschee in Ginsheim, nahe Mainz. Er betreut dort 28 weitere Ahmadiyya-Gemeinden in der Gegend. „Je älter ein Imam ist, desto wichtiger wird er für die Gemeinde. Ein Imam findet erst im Grab seine Ruhe“, sagt er.

In Berlin wird Said Ahmed Arif neuer Imam. Abdul Basit Tariq hat seinem 28-jährigen Nachfolger gesagt, er solle offen, tolerant und großzügig sein und Respekt vor allen Menschen haben.

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