Antritts-Besuch beim Imam in Pankow

B.Z., 4.1.2014

Hildburg Bruns

Demos begleiteten 2008 die Eröffnung der ersten Moschee in Ost-Berlin. Besuch bei ihrem coolen Prediger.

Assalaamu Alaikum Warahmatullah.
An seinem Büro-Computer beginnt Said Arif (28) jeden Text im Namen des Gnädigen, des Barmherzigen, mit einem Gruß des Friedens und Segens.

Es sind E-Mails für Allah!
Das schwarze Käppi zeigt, was der bärtige Mann ist. Ein Imam, der jüngste in Deutschland. Er ist der neue Vorbeter in Ost-Berlins erster Moschee, die vor der Eröffnung 2008 mit Demos und Farbbeutel-Attacken bekämpft wurde.

B.Z.-Antrittsbesuch im Pankower Ortsteil Heinersdorf, wo sich Minarettspitze und silberne Kuppel hinter einem McDonald's in den Himmel strecken. Inzwischen ist Ruhe in der Nachbarschaft eingekehrt. Erst gestern war eine Gruppe katholischer Lehrer zu einer Führung da. "Viele von denen, die kommen, waren noch nie in einer Moschee. Es gibt Vorurteile, aber die Leute sind offen. Und es ist ein Erfolg, wenn sie danach Islam nicht gleich als Gefahr abstempeln", sagt der Prediger. Er stammt aus Pakistan, wie die meisten Anhänger der Ahmadiyya-Gemeinde.

Sein Vater, ein eingewanderter Ingenieur, verdient sein Geld noch heute als Taxifahrer in Wiesbaden. Vom Bruder, einem Rot-Kreuz-Sanitäter, bekam er einen Boss-Anzug zur Hochzeit mit Attia (22), seiner Frau. Sie will Kommunikationsdesign studieren. Ein Schleier verhüllt ihre Haare, Ohren, sogar das Kinn. "Aus dem heiligen Koran ist sehr wichtig, dass Frauen ihre Reize bedecken", sagt der Imam. Also auch kein Bikini? "Die Frage ist mir peinlich", sagt er offen. "Wir haben geheiratet, weil wir gemeinsame Werte haben."
Um 6 Uhr klingelt morgens der Wecker, zehn Minuten später kniet Arif zum ersten Mal auf dem gen Mekka ausgerollten Teppich. Er ist gesegnet vom Kalifen Masroor A. Mirza (63), dem Oberhaupt der Glaubensgemeinschaft, der im Exil in London lebt. Deutschlandweit hat die Gemeinschaft 35.000 Mitglieder, in Berlin 270.

Fünfmal Beten am Tag ist Pflicht, auch, Müll von der Straße aufzuheben. Wie etwa ein Tempotuch, beim morgendlichen Joggen mit Glaubensbrüdern. Said Arif hat in Kanada studiert, sieht im TV höchstens Dokus und Nachrichten, deckt zu Hause in der Zwei-Zimmer-Dienstwohnung den Tisch, lebt von Spenden der Mitglieder (1/16 des Einkommens ist Muss).

Einmal die Woche fährt er mit seinem Mazda zu einer weiteren Gemeinde nach Leipzig. Hier wird gerade der zweite ostdeutsche Moschee-Bau geplant. Im November fanden seine Glaubensbrüder auf dem Bauplatz aufgespießte Schweinsköpfe. "Es macht mich traurig. Schade um das Image von Leipzig", sagt der Imam.