Hungerhaken wird aufgepäppelt

Berliner Woche Nr. 6, 5. Februar 2014

Junger Habicht zu schwach zum Jagen
Heinersdorf. Der Nabu rettete vor wenigen Tagen ein junges Habichtmännchen. Ein Heinersdorfer hatte den Jungvogel in seinem Garten entdeckt. Er lag dort längere Zeit regungslos. Weil er nicht wusste, wie er dem Vogel helfen könnte, rief er beim Nabu an. Die Mitarbeiter aus der Nabu-Wildvogelstation konnten das Tier nicht abholen. Ihr Stationswagen war gerade zur Jahresinspektion in der Werkstatt. Deshalb sprangen ihre Kollegen vom Nabu Berlin ein. Vor Ort wurde sehr schnell klar, dass es sich um einen fast verhungerten jungen männlichen Habicht handelt. Er wurde von den Naturschützern sicher in einem Karton verstaut. Danach ging es mit der S-Bahn in die Kleintierklinik der Freien Universität. Dort wurde der Jungvogel untersucht und gewogen. Körpergewicht und Zustand der Muskulatur deuteten auf eine Unterernährung hin. Die Flugmuskeln hatten sich schon so weit zurückgebildet, dass er bereits flugunfähig war. Deshalb blieb der Habicht zur Beobachtung und zur Zwangsfütterung in der Klinik.
Inzwischen wurde der Jungvogel in der Nabu-Wildvogelstation in einer Zimmervoliere untergebracht. Hier kann er sich in den nächsten Tagen weiter erholen. Sobald er ein Wohlfühlgewicht von mindestens 800 Gramm auf die Waage bringt, wird der Habicht ausgewildert.
Die Winterzeit in Berlin ist für die einheimischen Greifvögel nicht einfach. Das gilt besonders für Jungtiere. Seit dem Spätsommer sind sie auf sich allein gestellt und müssen ohne die Hilfe der erfahrenen Eltern jagen. Das gelingt aufgrund der fehlenden Erfahrung nicht immer. Manches Tier verhungert deshalb kläglich oder wird selbst zur Beute. Dieses Schicksal blieb dem Heinersdorfer Habicht erspart. Die Pflege und Auswilderung eines Greifvogels ist allerdings kosten- und zeitintensiv. Sie beläuft sich jeweils auf mindestens 300 Euro. Deshalb sind dem Nabu Paten für Tiere wie diesen Hungerhaken aus Heinersdorf willkommen.
BW