Grünes Licht für Pankower Tor

Berliner Abendblatt Nr. 2, 11. Januar 2014

Für den Konflikt um den ehemaligen Rangierbahnhof zeichnet sich eine Lösung ab

Dieses Geschäft könnte ganz Pankow und Heinersdorf verändern: Möbelunternehmer Kurt Krieger und Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, haben eine Einigung für das Pankower Tor gefunden. Der Möbelmarkt und das große Einkaufszentrum, das Kurt Krieger seit 2010 auf dem 40 Hektar Bahnhof Pankow und Bahnhof Heinersdorf bauen will, können nun doch entstehen. Im Gegenzug will er ein Drittel der geplanten Wohnungen günstig vermieten
und dem Bezirk Grundstücke für zwei Schulen schenken.

Kleine Runde. Bei einem Treffen zwischen dem Investor und Bausenator Michael Müller (SPD) hat Klaus Wowereit persönlich eingegriffen und ist auf das neueste Angebot Kriegers eingegangen. Demnach sollen 250 der 750 angedachten Wohnungen im geplanten Quartier für 5,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Ein weiteres Drittel soll unter zehn Euro pro Quadratmeter kosten. Den Rest kann Krieger selbst festsetzen. Zudem erhält der Bezirk den Lokschuppen und ein weiteres Gelände für zwei Schulen, die Pankow dringend benötigt.

Lange sah es danach aus, dass der millionenschwere Unternehmer sich einen anderen Ort für sein neues Stadtquartier suchen müsste. Zu groß waren die Bedenken, das Einkaufszentrum mit 30.000 Quadratmetern und ein großes Möbelhaus würden dem Pankower Einzelhandel schaden und ein städtebauliches Desaster mit leeren Parkplatzwüsten und gigantischen Kaufhauskisten werden. Der Berliner Stadtentwicklungsplan Zentren schützt den gewachsenen Einzelhandel vor derlei Großansiedlungen.

Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD), der an dem Gespräch zwischen Wowereit und Kurt Krieger teilgenommen hat, begrüßt die Die Landesebene hat sich in die richtige Richtung bewegt. Wichtig ist, dass es eine Entwicklung gibt und Pankow Flächen für soziale Infrastruktur wie Schulen, Sportplätze und Kitas plus günstige Wohnungen sagt Matthias Köhne. Negativ würde sich das Einkaufszentrum laut Köhne nur auswirken, wäre es zu nah am Pankower Anger und dessen Einzelhandel dran. „Wir haben immer dafür plädiert, es so weit wie möglich Richtung Osten zu schieben. Das soll passieren“, so Köhne.

Fragliche Einigung. Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), sieht dagegen neue Konflikte auf den Bezirk und das Land zukommen. „Mit diesem Geschäft zwischen Krieger und Wowereit sieht so aus, als sei die Politik käuflich. Baurechtlich ist es fragwürdig“, so der Baustadtrat. Andere Investoren könnten in der Folge eine Gleichbehandlung einfordern und das Pankower Tor als Beispiel anführen. Bei aller Kritik am Verfahren erwartet aber auch er positive Effekte,
sollte das Pankower Tor gebaut werden, vor allem für die Entwicklung Heinersdorfs und der Prenzlauer Promenade. „Neue Geschäfte können sich ansiedeln und mit dem Ausbau der Straßen in Heinersdorf ein ganzer Ortsteil
aufgewertet werden“, so Kirchner.

Offene Fragen. Das einjährige Werkstattverfahren, das einen Ausgleich zwischen den Interessen von Bezirk, Anwohnern und Investor bringen sollte, endete an diesem Freitag – mit eher dünnem Ergebnis, wie das Treffen in kleiner Runde zeigt. „Immerhin wissen wir jetzt, dass wir das Lärmproblem am Autobahnzubringer in den Griff kriegen müssen, soll das neue Viertel gut angenommen werden“, sagt Jens-Holger Kirchner. Ebenso steht die vom Bezirk geforderte Verlängerung der Straßenbahn von Heinersdorf zum S-Bahnhof Pankow über die Granitzstraße noch zur Debatte. Gleiches gilt für die Pkw-Anbindung des Quartiers. Laut Senatssprecherin Daniela Augenstein wird nach Ende des Verfahrens nun ein erster Entwurf erarbeitet, der zur Beschlussfassung im Bezirk und im Abgeordnetenhaus vorgelegt werden kann. Zu einem möglichen Baubeginn wollte sie sich nicht äußern. Alexander Wolff