Prediger für die Toleranz

Berliner Abendblatt vom 1. März 2014

Heinersdorf. In der Tiniusstraße ist ein neuer Imam im Amt – er möchte seine muslimische Gemeinde weiter öffnen

Es ist ruhig geworden um das weiße Gebäude mit der erhabenen blauen Kuppel in der Khadija-Moschee, als sie bei ihrer Erbauung vor einigen Jahren massive Proteste in Heinersdorf auslöste. Mittlerweile suchen rund 85 Anhänger der Ahmadiyya-Gemeinde jeden Freitag die zwei Gebetsräume auf, in denen insgesamt rund 250 Menschen Platz finden. Seit Anfang dieses Jahres versammeln sich die Anhänger der Gemeinde vor einem neuem Imam Jährige wanderte als Kind mit seinen Eltern aus Pakistan ein. Für sein Studium der islamischen Theologie zog es ihn nach Toronto. Ende 2013 kam er nach Berlin. Dabei ist es dem jungen Imam wichtig, sein Leben nicht nur auf die Gemeinde zu beschränken. Er besucht regelmäßig verschiedene Stiftungen, nicht nur religiöse, sondern auch politische und soziale.

Offene Türen. Aber auch innerhalb der Gemeinde öffnet er seine Türen für die Außenwelt. Dreimal jährlich ruft die Gemeinde zum Blutspenden auf, jedes Jahr im Oktober veranstaltet die Moschee einen Tag der offenen Tür. „Aber eigentlich stehen unsere Türen jeden Tag offen für Besuch“, sagt der Imam. Dies sei vor allem wichtig, um mit Vorurteilen aufzuräumen, die Menschen im Bezirk vor allem in der Vergangenheit gegen die Gemeinde pflegten. „Offenheit finde ich wichtig, sonst lebt man aneinander vorbei“, findet Arif. Als Pläne zum Bau der Moschee im Frühjahr 2006 bekannt wurden, protestierten zahlreiche Anwohner. Die Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger sammelte sogar Unterschriften dagegen. Ihr Antrag auf ein Bürgerbegehren wurde jedoch abgelehnt. Zahlreiche Heinersdorfer organisierten einen Gegenprotest zu der Interessengemeinschaft, einem „Band der Toleranz“.

„Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, wir pflegen einen guten Kontakt zu den Nachbarn“, sagt Arif. Das hätte die Gemeinde auch ihrem Tag der offenen Tür zu verdanken. Das bestätigen auch Anwohner der Tiniusstraße. „Hier in der Straße stört die Moschee keinen“, so Cornelia Günther, die einige Häuser entfernt wohnt. Ganz im Gegenteil kriege man von der Gemeinde gar nichts mit, sie falle also auch nicht durch Lärmbelästigung auf. Am Anfang habe die Anwohnerin Bedenken gehabt, die neue Glaubensgemeinde würde die Verkehrslage auf der Straße verschärfen. Aber auch dies sei nicht eingetroffen „Viel mehr stören die Menschen im Bezirk, die sich negativ zu der Moschee äußern, obwohl sie nicht einmal in dieser Straße wohnen“, findet die Anwohnerin.
Nabila Lalee