Bahnlärm bald Vergangenheit

Berliner Abendblatt, 22. März 2014

Stettiner Bahn wird von Pankow bis Bernau Teil des Sanierungsprogrammes der Bahn

Als er das Schreiben in Händen hielt, konnte er sein Glück kaum glauben. Im Lotto hat Dieter Peters zwar nicht gewonnen. Aber er wohnt an der Stettiner Bahn. Nun soll die Strecke von Pankow bis Bernau lärmsaniert werden. Das schrieb ihm, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Nordost (BINO), die sich seit Jahren für Ruhe auf der Strecke zwischen Berlin und Stettin einsetzt, die Deutsche Bahn. Nicht nur für Peters, für zehntausende Pankower bedeutet das bald eine enorme Entlastung.

„Der Jubel war groß. Diese neue und positive Herangehensweise haben wir von der Bahn nicht erwartet“, sagt Dieter Peters. Nun seien sie dem Konsens, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu, der zwischen Bahn und Bürgern bestehen würde, ein Stück näher. „Alle Beteiligten wollen Ruhe. Die Bahn vor uns und wir vor der Bahn.“ Das dem so ist, liegt an einer langersehnten Entscheidung im Bundesverkehrsministerium. Dort wurde die Teilstrecke der Stettiner Bahn zwischen Pankow und Bernau nun in das freiwillige Lärmsanierungsprogramm der Deutschen Bahn aufgenommen. In einem ersten Abschnitt wird von S-Bahnhof Pankow bis S-Bahnhof Blankenburg saniert, anschließend das Nordkreuz von S-Bahnhof Blankenburg bis S-Bahnhof Karow.  Später folgt der Abschnitt von Zepernick bis Angermünde.

Anwohner beteiligen. Nach Auskunft von Bahnsprecher Gisbert Gahler läuft das nötige Planfeststellungsverfahren derzeit an. Darin soll geprüft werden, wo die Grenzwerte wie hoch überschritten werden und welche Maßnahmen in Betracht kommen. Dazu zählen Schallschutzwände und spezielle Fenster. „Welche Art des Lärmschutzes angewendet wird, ebenso wie zu den Kosten, kann erst etwas gesagt werden, wenn die Gutachten vorliegen. Jeder Streckenabschnitt hat andere Bedingungen“, so Gahler. Fest steht aber, dass zusammen mit der Sanierung die Strecke auf 160 Kilometer pro Stunde ertüchtigt wird, die Züge also bald wesentlich schneller fahren dürfen. Dazu wird ein elektronisches Stellwerk eingerichtet und sollen dann auch die fünf Eisenbahnbrücken auf der Strecke erneuert werden, vier davon bereits in der ersten Bauphase. 2017 könnte es mit dem Umbau losgehen. Im Rahmen des Planverfahrens sollen die Unterlagen schon in diesem Sommer ausgelegt werden und können Anwohner ihre Ideen einbringen.

Plan geändert. Von Pankow, über Blankenburg, Heinersdorf, Karow und Buch bis ins Panketal könnte bald Ruhe einkehren. Vor allem vor den Kesselwagen auf dem Weg zur Raffinerie nach Schwedt, die auch nachts über die Gleise rattern. Bis zu 75  Züge täglich rauben den Pankowern den Schlaf. Sie erreichen an manchen Hausfassaden die Lautstärke von Lkws vor dem Fenster. Seit Monaten messen BINO-Mitglieder den Lärm in Pankow. Erst kürzlich stellten sie die Ergebnisse bei ihrer zweiten Lärmwerkstatt in Buch vor. Nach bisherigen Planungen der Bahn hieß es eigentlich, dass mit einer Lärmsanierung in Pankow erst in 15 Jahren zu rechnen sei. Verkehr ernten. Die Erleichterung ist groß in Pankow. Doch anstelle von durchgefeierten
Nächten spricht Dieter Peters von Gutachten, von aktivem und passivem Schallschutz und von einer kritischen Begleitung des Prozesses. „Wir werden die Hände nicht in den Schoß legen. Mit unseren eigenen Messungen können wir der Bahn zuarbeiten und sehen, wo welche Schutzmaßnahme sinnvoll ist“, so Peters. Außerdem will sich die BINO weiterhin für ein Nachtfahrverbot der Kesselwagen einsetzen, für ein stetiges Schleifen der Schienen und die Umrüstung der Wagen auf leisere Sohlen. Wenn die Stettiner Bahn erst einmal auf 160 Kilometer in der Stunde ertüchtigt ist, „gewinnt die Stettiner Bahn durch kürzere Fahrzeiten für alle Transporteure an Attraktivität“, sagt Gisbert Gahler. Soll heißen, es werden mehr Züge fahren. Die Bürgerinitiative kann damit leben. „Wer Ruhe sät, wird Verkehr ernten. Mit dem Schallschutz ist auch mehr Verkehr auszuhalten“, so Dieter Peters.
Alexander Wolff