Der Kampf ums Straßenland

Berliner Abendblatt, 22. März 2014

Bezirksverordnete fordern Radstreifen im Bezirk – Senat investiert in neue Radwege

Die Ankündigung des Senats, das Berliner Radwegenetz für 8,3 Millionen Euro kräftig ausbauen zu wollen, kommt vor allem den Pankowern zugute. Vom Radwege-Kuchen erhält der Bezirk mit 1,5 Millionen Euro das mit Abstand größte Stück. Allein die Schönholzer Heide soll für 400.000 Euro wesentlich attraktiver für Radler werden. Derweil fordern die Bezirksverordneten für vielbefahrene Straßen vorhandene Schutzstreifen in Radfahrstreifen umzuwandeln. Anstelle von gestrichelten Linien, die das vorübergehende Halten auf der Radspur erlauben, sollen künftig durchgezogene Linien auch das kurze Parken verbieten.

Große Vorhaben. Gemeinsam wollen Bezirk und Senat in der Schönholzer Heide den bestehenden Radweg der Friesenstraße verlängern. An der Pasewalker Straße südlich der Schlossallee sollen neue Radwege für 150.000 Euro eingerichtet werden. In Weißensee wird für 50.000 Euro ein sogenannter Auffangradweg an der Buschallee eingerichtet. Und die Rennbahnstraße erhält am Pasedagplatz eine Querung für Radfahrer, ebenfalls für 50.000 Euro. Zudem wird zwischen Prenzlauer Allee und Heinersdorfer Straße eine Verbindung für 50.000 Euro angelegt. Heinersdorf profitiert von der Asphaltierung der Neukirchstraße östlich der Romain-Rolland-Straße für 200.000 Euro. Pankows Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) freut sich über den Geldsegen. „Wir haben die höchsten Zuwachsraten bei den Einwohnern und auch Radfahrern. In Teilen Prenzlauer Bergs zum Beispiel besteht die Hälfte des Gesamtverkehrs aus Radfahrern“, so Kirchner. Aber gerade an großen Kreuzungen sei der Zeitplan des Senats sehr ambitioniert. Manche Straße wie die Danziger Straße werde seit Jahren geplant. Verkehrslenkung, BVG und andere Unternehmen müssten zusammenarbeiten. „Das braucht sehr viel Zeit. Eine Sache ist das Geld, eine andere die Umsetzung“, so Jens-Holger Kirchner. Was zudem noch fehle, seien genügend Abstellanlagen für Fahrräder und größere Aufstellbereiche vor den Ampeln. „Hier hat der Senat Nachholbedarf.“

Schlimme Stürze. Am Vorgehen des Senats, auf manchen Abschnitten nur Schutzstreifen anstelle von Radfahrstreifen anzulegen, daran gibt es mittlerweile Kritik seitens der Pankower Politik. Denn vor allem auf vielbefahrenen Straßen wie der Kastanienallee müssten Radler immer wieder abgestellten Fahrzeugen ausweichen und dabei über die Schienen der Tram fahren. „In der Vergangenheit hat diese Praxis in der Kastanienallee zu schlimmen Stürzen geführt“, so Daniela Billig von den Grünen. Einem entsprechenden Antrag stimmten die Bezirksverordneten auf ihrer jüngsten Versammlung fraktionsübergreifend zu. Nun soll sich das Bezirksamt dafür stark machen, dass zuerst die beliebtesten Radrouten Danziger Straße, Greifswalder Straße und Kastanienallee die Radstreifen erhalten. Der Pankower Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) begrüßt den Vorstoß der Bezirksverordneten. „Radstreifen sind den Schutzstreifen vorzuziehen“, sagt Susanne Jäger vom ADFC Pankow. „Aber auch die Radstreifen mit durchgezogenen Linien werden zugeparkt. Wer erwischt wird, zahlt lediglich 15 Euro“, sagt die Vorsitzende. „Um die Radstreifen wirklich freizuhalten, wären massive Kontrollen und höhere Strafen nötig“, sagt Susanne Jäger. Das bestätigte indirekt auch Ordnungsstadtrat Torsten Kühne (CDU). Und zwar in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage zu abgestellten Autos auf dem Radstreifen vor der Post in der Berliner Straße. Dem Bezirk ist die häufige Blockade des Streifens durchaus bekannt. Nur: „Die personelle Situation im Ordnungsamt lässt eine permanente Überwachung des genannten Bereiches nicht zu“, so Kühne. Mehr als kurz- und langfristige Kontrollen und Gespräche mit der zuständigen Polizeidirektion seien nicht drin.
Alexander Wolff