Rolle rückwärts bei der Bahn

Berliner Abendblatt Nr. 17, 26. April 2014

LÄRM Ankündigungen zu Schallschutz-Maßnahmen ab Karow zurückgenommen
Lärmschutz sollte es geben, von Pankow bis zum Panketal. Anwohner in Pankow, Heinersdorf, Blankenburg und Karow jubelten. Das war im März. Nur kurze Zeit später nimmt die Deutsche Bahn einen wichtigen Teil ihrer Ankündigung zurück. Ein Versehen, so die Bahn. Schon 2017 sollte es mit dem freiwilligen Lärmsanierungsprogramm losgehen und nicht wie bisher angedacht, erst in 15 Jahren. Auf zwei Abschnitten kommt der Lärmschutz auch. Von der Norwegerstraße am S-Bahnhof Bornholmer Straße bis zur Mitte des Bahnhofs Blankenburg und vom Nordkreuz bis zum Bahnhof Karow. Dafür gibt es bald ein eigenständiges Planfeststellungsverfahren.

Zu wenig Anwohner. Darin sollte eigentlich auch der Abschnitt vom S-Bahnhof Karow bis Bernau aufgenommen werden. „Das ist nun nicht mehr der Fall. Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Dietrich Peters von der Bürgerinitiative Nordost (Bino). Die Bahn saniert nach einer Prioritätenliste, auf der sie die Höhe der Lärmbelastung mit der Anzahl der betroffenen Anwohner abgleicht. Ab Karow, so die Begründung der Bahn, gibt es zu wenig Besiedlung. „Wir sind zu wenige, um Lärmschutz zu bekommen“, so Peters. Nun soll es auf diesem Abschnitt frühestens in zehn Jahren losgehen.

An den ersten beiden Abschnitten soll es dagegen schon im Sommer mit den Vorbereitungen losgehen. Bis zum Bahnhof Blankenburg wird der bestehende Schallschutz lediglich verbessert. Bis zum Bahnhof Karow trifft die Bahn auf einer Länge von gut drei Kilometern eine sogenannte Lärmvorsorge. Das bedeutet, dass der Lärm für die Anwohner auf maximal 49 Dezibel nachts gesenkt werden soll. „Das ist sogar noch besser als das freiwillige Lärmsanierungsprogramm, mehr Lärmschutz kann es eigentlich nicht geben. Darüber sind wir froh“, sagt Gerald Hamann von der Bürgerinitiative (BI) „Lebensqualität in Blankenburg und Karow – Vernünftige Planung der Stettiner Bahn“. Auch er ist enttäuscht über den Rückzug der Bahn im Fall des dritten Abschnittes. Aber die BI will nun wieder aktiv werden, um das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt von Blankenburg bis Karow „kritisch zu begleiten“.

Viel Erfahrung. Das letzte Mal schaltete sich die BI vor elf Jahren ein. Damals begleitete sie das Planfeststellungsverfahren für den zweigleisigen Ausbau der Stettiner Bahn. Und entdeckte prompt Ungereimtheiten. Die trug die BI bis zum Bundesverwaltungsgericht, wo sie jedoch unterlag. Nun wollen Hamann und seine Mitstreiter die Blankenburger und Karower wieder mobilisieren, um sich auch am für diesen Sommer angesetzten Verfahren zu beteiligen. Darin sollen auch die fünf Bahnüberführungen komplett erneuert werden, um die Stettiner Bahn bis Karow auf 160 Stundenkilometer zu ertüchtigen. AlexAnder Wolff