Neues Heim für Flüchtlinge

Berliner Abendblatt Nr. 31 vom 2.8.2014

ASYL Im Comfort Hotel werden 260 Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten untergebracht

In Pankow klappt die Integration von Flüchtlingen bislang gut. Mit der Hilfe von Netzwerken aus Vereinen, Anwohnern und Initiativen vor Ort hat der Bezirk rund 500 Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten untergebracht. Das ist allerdings noch nicht genug. Laut Landesamt für Soziales und Gesundheit (Lageso) muss Pankow weitere Flüchtlinge aufnehmen. In Weißensee in der Rennbahnstraße wird bald ein neues Heim eröffnet.

Netzwerk gebildet. 260 neue Plätze sollen zum Ende des Jahres im jetzigen Comfort Hotel Weißensee geschaffen werden. Das teilte das Bezirksamt zu Beginn der Woche mit. Etwa zeitgleich gingen Informationsschreiben an die Bewohner der Rennbahnstraße, Gustav- Adolf-Straße und im weiteren Umfeld. Ähnlich wie beim im vergangenen Jahr eingerichteten Heim in der Pankower Mühlenstraße bringt der Bezirk bereits ein Netzwerk mit Akteuren für die Versorgung der Neuankömmlinge mit Sport-, Freizeit- und Bildungsangeboten auf den Weg. Nach den Sommerferien werde ein erstes Treffen mit Ehrenamtlichen organisiert.

Hotel schließt. Das Comfort Hotel wird bis Ende des Jahres den Hotelbetrieb aufrechterhalten. Wegen einer Insolvenz gibt das Hotel das Gebäude zum Ende des Jahres auf. In die Räume werden dann nur noch Miniküchen eingebaut, Dusche und WC haben die Ein- bis Vierbettzimmer bereits. In den großzügigen Konferenzräumen des Hotels soll es Gemeinschaftsräume und Spielzimmer geben. Betreiber wird die Gierso Boardinghaus, die bereits Heime in Steglitz-Zehlendorf, Spandau und Mitte betreibt. Mit acht Mitarbeitern, die mehrere Sprachen sprechen, will die Gierso nach einer dreimonatigen Umbauphase vor Ort sein. Manche davon rund um die Uhr. Der Bezirk wird sich um die Versorgung der Kinder mit Kita- und Schulplätzen kümmern. Woher die Flüchtlinge kommen, entscheidet sich je nachdem, wer Asyl beantragt. Zumeist sind die Menschen aus krisengeschüttelten Ländern wie Syrien, Irak, Afghanistan oder Somalia.

Komfortable Räume. Tobias Dohmen, Geschäftsführer der Gierso, spricht von einer günstigen Raumsituation für die Flüchtlinge. „Das sind Räume zwischen neun und 27 Quadratmeter plus Flur und Bad, die ihre eigene Küche und Sanitäranlagen haben. Üblich sind eher Gemeinschaftsküchen und -toiletten“, so Dohmen. Wie im Zuge der Planungen bekannt wurde, hat die Berliner Unterbr ingungsstelle bereits 20 Zimmer des Hotels mit Flüchtlingen belegt.

Gute Bedingungen. Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) hofft, dass die Asylanwär ter hier ähnlich gut aufgenommen werden wie schon in den Einrichtungen in der Straßburger Straße in Prenzlauer Berg und in der Mühlenstraße. „An diesen Standorten funktioniert das gut. Die Chancen stehen gut, dass das in der Rennbahnstraße ähnlich ist“, so Zürn-Kasztantowicz. Um die Anwohner zu informieren greift sie auf ein in Pankow bewährtes Konzept zurück. Mithilfe der großen Vermieter vor Ort – hier die Gesobau, die Wohnungsbaugenossenschaft Weissensee und die Siedlung am Steinberg – werden die Bewohner der Umgebung informiert. Interessierte A nwohner und Unternehmen können sich bei Einzelberatungen am Telefon und vor Ort informieren. Eine öffentliche Informationsveranstaltung sei nicht geplant. „Die wurden in der Vergangenheit öfter von Rechtsextremen als politische Bühne genutzt“, so die Stadträtin. Mit der neuen Unterkunft hat Pankow dann rund 760 Flüchtlinge aufgenommen. Bis zu 1.500 sollen es werden. AlexAnder Wolff

Im heutigen Drei-Sterne-Hotel werden die Flüchtlinge bald einquartiert