Freiobst für Heinersdorf

Berliner Abendblatt Nr. 33 vom 16.8.2014

NATUR Die Zukunftswerkstatt organisiert die ersten Baumpaten für Heinersdorf

Erst kürzlich konnten die Pankower Grünen mithilfe der Bezirksverordnetenversammlung den „Essbaren Bezirk“ ausrufen. Anstelle von Linde, Ahorn und Pappel, Berlins häufigsten Straßenbäumen, soll sich der Bezirk künftig dafür einsetzen, Obstbäume und Gemüsepflanzen in die Erde zu setzen. Bis es so weit ist, geht wohl noch einige Zeit ins Land. In Heinersdorf arbeitet die Zukunftswerkstatt in der Alten Apotheke aber schon heute an den essbaren Landschaften. Sie hat mit Freiobst Heinersdorf eine Baumpaten-Aktion ins Leben gerufen, die schon im Herbst ihre ersten Pflanzungen feiern soll.

Seltene Sorten. Edler von Leipzig, Freiherr von Berlepsch oder Französische Goldrenette, so heißen die raren Sorten, die Sandra Caspers zusammen mit den Heinersdorfern pflanzen will. „Das sind alles Sorten, die es bei uns kaum noch gibt. Diese Früchte sind auch nicht im Supermarkt zu finden. Darum ist die Aktion ein Beitrag zur Artenvielfalt“, sagt Caspers, Vorsitzende des Vereins Zukunftswerkstatt Heinersdorf. Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Quitte soll es bald vermehrt in Heinersdorf geben. Los geht es etwas außerhalb am Schmöckpfuhlgraben. Hier gibt es reichlich Wasser und Platz. Auch das Grünflächenamt hat der Aktion zugestimmt. 13 Baumpaten gibt es bislang.

Selber anpacken. Für 50 Euro pro Baum haben sie eine Patenschaft übernommen. „Die Baumart können sich die Paten selbst aussuchen oder von uns wählen lassen“, sagt Caspers. Auch ob sie bei der Pflanzung mit anpacken wollen, können sich die Paten aussuchen. Klar ist nur, dass sie zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren, bevor die Bäume allein überleben können, regelmäßig vorbeischauen sollten. „Im Herbst brauchen die Bäume nicht so viel Wasser. Im Frühjahr sollte aber regelmäßig gegossen werden“, sagt Caspers. Um die Pflicht mit dem Angenehmen zu verbinden, wird es Gieß- und Grillpartys geben. Dabei treffen sich die verschiedenen Baumpaten zur Pflege ihrer Schützlinge und veranstalten einen angenehmen Grillnachmittag im Anschluss. Auch das Wasserholen dürfte im Schmöckpfuhlgraben leicht fallen. „Einfach mit der Gießkanne runter zum Graben und Wasser abschöpfen“, sagt Caspers.

Geeignet ist die Patenschaft für jeden, von der Einzelperson bis zu Gruppen, Vereinen, Einrichtungen und Unternehmen. Ein kleines Schild am Baum nennt dann den Spender. Von der Aktion profitieren nicht nur die Paten selbst, indem sie zur Artenvielfalt und Renaturierung des Stadtraums beitragen. Die leckeren Früchte darf dann jeder pflücken. Auf der Internet-Plattform mundraub.org werden die Standort von Freiobst in der ganzen Stadt bekannt gemacht, auch Heinersdorf soll dann vermerkt werden. Die Heinersdorfer Aktion geht zurück auf die „Freiobst Pankow“-Initiative der Grünen Liga und der politischen Grünen im vorigen Jahr. Laut einer Studie des BUND fehlen alleine in Pankow 2.500 Straßenbäume. Und es werden weniger. Interessierte Paten können sich direkt an die Zukunftswerkstatt wenden, am besten per E-Mail. Anfang Oktober soll dann die erste Pflanzung stattfinden. (awo)