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Heinersdorfer Erinnerungen

Wir laden ein zu einem Politikstammtisch, in dem es um die Geschichte unseres Ortsteils und um das Leben eines ehemaligen Heinersdorfers geht.

Der 1940 geborene Werner Krätschell wuchs im Heinersdorfer Pfarrhaus auf, studierte später selbst Theologie, war dann unter anderem Pfarrer und Superintendent im benachbarten Pankow und schließlich der erste Bevollmächtigte für die evangelische Soldatenseelsorge in den Neuen Ländern. Er wird über seine Kindheit und Jugend in Heinersdorf sprechen und aus den Erinnerungen seines Vaters vorlesen: Das Tagebuch, das Eberhard Krätschell, Heinersdorfer Pfarrer von 1933 bis 1971, während und zum Ende des 2. Weltkrieges schrieb, hat er mit im Gepäck. Aber auch aus seinen weiteren Lebensstationen wird Werner Krätschell erzählen. Was hat ihn geprägt? Wie hat er die Wendezeit und die neue Freiheit erlebt? Und was verbindet er heute mit Heinersdorf?

Der Abend bietet die Möglichkeit, mit einem Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Er knüpft an einen Politikstammtisch im Oktober 2009 an, bei dem die ehemalige Berliner Justizsenatorin und Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, aus ihrem Leben berichtete. Auch sie stammt aus Heinersdorf. Weitere Informationen: Erinnerungen mit Jutta Limbach

Dienstag, 15.3.2011, 20 Uhr, Nachbarschaftshaus Alte Apotheke, Romain-Rolland-Straße 112, 13089 Berlin

Gast: Dr. Werner Krätschell, Superintendent i.R.
Moderation: Uwe Müller
Kostenbeteiligung: Spende erbeten
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder (030) 21 98 29 70 


Mit Heinersdorfer Erinnerungen war der erste Politikstammtisch überschrieben, der im neuen Nachbarschaftshaus in der Alten Apotheke noch vor deren offizieller Eröffnung stattfand. Und die Erinnerungen wurden wach, noch ehe der Abend richtig begonnen hatte. Denn lange vor 20 Uhr kamen die ersten Gäste, von denen viele ein persönliches Wiedersehen mit dem Referenten des Abends feiern konnten, weil sie ihn aus Kinder- oder Jugendtagen in Heinersdorf kannten. Werner Krätschell, inzwischen Superintendent i. R. und zweifacher Doktor ehrenhalber, lockte so viele zum Politikstammtisch, wie es sonst fast nur Politiker schaffen, wenn es um eine Umgehungsstraße in Heinersdorf geht. Fast 50 Gäste waren gekommen, um dem Vortrag des 1940 in Heinersdorf geborenen und im hiesigen Pfarrhaus aufgewachsenen Theologen zu lauschen.

Und der berichtete aus seinem Leben – auszugsweise natürlich. Denn um alle Geschichten zu erzählen, die er erlebt hat, brauchte es wohl mindestens ein Dutzend solcher Abende. Werner Krätschell erzählt aus seiner vom 2. Weltkrieg bestimmten Kindheit, in der er während der Bombennächte manchmal in der Reichskanzlei einquartiert und später zu den baltischen Verwandten mütterlicherseits bei Fulda evakuiert wurde. Er erzählt von seiner Schulzeit in Heinersdorf, von der Geschichtslehrerin, die ihren Schülern nach der DDR-Gründung erfreut verkündete, nun habe man endlich wieder einen Wilhelm an der Spitze des Staates, von der als Neulehrerin eingestellten Russischlehrerin aus der Wasserturmsiedlung, die bei seiner Mutter, der Heinersdorfer Pfarrfrau, Russisch-Unterricht nahm, und von seiner ersten Jugendliebe, die an diesem Abend in der Alten Apotheke in der ersten Reihe sitzt. Er erzählt, wie er nach dem Abitur am Westberliner Ranke-Gymnasium mit dem Studium der Theologie begann und wie sich dann während eines Sommerurlaubs in Schweden im August 1961 sein Leben und das seines Bruders Albert entschied, nachdem sich die Nachricht vom Mauerbau zu ihnen herumgesprochen hatte: Dieser blieb im Westen, Werner Krätschell aber entschied sich, zurück in die DDR zu gehen, und reiste, um gefürchteten Repressalien zu entgehen, einige Zeit spät mit gefälschten Papieren eines anderen in Westberlin lebenden Bruders wieder ein, setzte hier sein Theologiestudium fort und zog wieder im Heinersdorfer Pfarrhaus ein. Er erzählt, dass nun die 27 glücklichsten Jahre seines Lebens begannen, weil die Kirche, in der er mehr und mehr Verantwortung übernahm, einen gelebten Gegenentwurf zur herrschenden Diktatur bildete, der auch nach Ansicht vieler überzeugter Parteigänger nicht klein zu kriegen war. Und er erzählt davon, wie er während der Zeit seiner ersten Pfarrstelle in Falkenhagen bei der Mutter Angela Merkels Englisch lernte, wie sich in seiner Zeit in Buchholz und später als Pankower Superintendent die kirchliche Oppositionsarbeit entwickelte, von den Anfängen des Pankower Friedenskreises und dem Beginn der Friedlichen Revolution, seiner Freundschaft zu Rudolf Dresen und Timothy Garton Ash, seinem persönlichen Maueröffnungserlebnis und davon, wie er erst den Pankower und später den Berliner Runden Tisch moderierte.

Zum Abschluss las Werner Krätschell noch aus den Tagebuchaufzeichnungen seines Vaters Eberhard Krätschell, die dieser zum Kriegsende angefertigt hatte. Ein Exemplar dieses Zeitdokuments überreichte er mit dem Wunsch, damit den Grundstock für ein Heinersdorf-Archiv zu legen, an Uwe Müller, der es stellvertretend für die Zukunftswerkstatt Heinersdorf entgegen nahm. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus für diesen kurzweiligen und zuweilen unterhaltsamen Abend. Und manch einer sprach den Wunsch nach einem weiteren Vortrag des an beeindruckenden Lebenserinnerungen so reichen und die Kunst des gesprochenen Wortes so vielfältig beherrschenden Werner Krätschell aus. Dieser blieb auch nach Ende der Veranstaltung noch lange da, um mit Weggefährten und anderen Interessierten Heinersdorfer Erinnerungen auszutauschen.

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