Positionspapier städtebauliche Entwicklung

Die Zukunftswerkstatt Heinersdorf e.V. hat 2013 in dem Papier ‚Eine Verkehrslösung für Heinersdorf‘ Positionen zur städtebaulichen Entwicklung formuliert. Inzwischen haben sich einige Rahmenbedingungen stark verändert, vor allem durch die geplanten Neubaugebiete in den nördlich und westlich angrenzenden Gebieten. Das vorliegende Positionspapier trägt diesen neuen Umständen Rechnung und konkretisiert unsere Forderungen mit Blick auf die anstehenden politischen Weichenstellungen.

Allgemeines zur städtebaulichen Entwicklung
Heinersdorf ist gekennzeichnet durch Restbestände eines historischen Dorfkerns im Zentrum, umgeben von überwiegend Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen der 1920er und 30er Jahre, durchsetzt mit Kleingartenanlagen. Heinersdorf leidet einerseits unter der strukturellen Unzulänglichkeit der Verkehrsinfrastruktur und fehlender städtebaulicher Leitlinien. Andererseits bietet der Ortsteil – stark durchgrünt und zugleich innenstadtnah - viel Potenzial, das es sinnvoll zu entwickeln gilt.

Für die künftigen Veränderungsprozesse fordern wir:

· den Charakter Heinersdorfs als Gartenstadt zu erhalten und in angrenzenden Neubauvorhaben städtebaulich aufzunehmen
· bestehende Grünflächen und Kleingartenanlagen als ‚grüne Lungen‘ und Bestandteil der ausgewiesenen ‚Kalt- und Frischluftschneise‘ vor Überbauung zu schützen
· auf dem sogenannten Tiefbaugelände im Rahmen einer politischen Lösung großes Logistikgewerbe zu verhindern und durch einen wohnverträglichen Mix aus Kleingewerbe und Wohnen zu ersetzen, sowie einer Barrierewirkung zwischen bestehenden und neu entstehenden Siedlung städtebaulich vorzubeugen.

Autoverkehr

Heinersdorf ist vom Autoverkehr stark beeinträchtigt: Das bestehende Straßennetz ist vom Durchgangsverkehr bereits überlastet (permanenter Stau, hohe Lärm- und Abgasbelastung). Die bestehenden Hauptverkehrsstraßen haben eine stark trennende Wirkung auf die Wohnquartiere (schlechte Querungsmöglichkeiten, Gefahren). Die Beseitigung dieser Missstände sowie neue große Bauvorhaben in nördlich angrenzenden Gebieten machen es erforderlich, das bestehende Verkehrsnetz zu ergänzen und zu ertüchtigen. Allerdings muss dies mit Augenmaß geschehen, damit einerseits die vorhandenen Probleme effektiv gelöst werden, andererseits keine neuen Probleme geschaffen werden.

Unsere Positionen sind deshalb:

· Realisierung der sogenannten Netzelemente N1 (verlängerte Rothenbachstraße zur Blankenburger Straße) und N2 (Verbindung Rennbahnstraße/
Blankenburger Straße), unter folgenden Voraussetzungen:
o Maßvolle Dimensionierung mit einem Fahrstreifen pro Richtung, maximal Tempo 50, abschnittsweise auch Tempo 30
o Im Gegenzug Schließung der Einmündung Blankenburger Straße in die Romain-Rolland-Straße, wodurch die wenig leistungsfähige versetzte
Kreuzung zur Tino-Schwierzina-Straße zu einer einfachen T-Kreuzung wird
o Ausreichend dimensionierte Geh- und Radwege entlang der neuen Straßen
o Ansprechende Gestaltung durch Bäume und Begrünung
o Ausreichender Lärmschutz für Anwohner, Errichtung einer Lärmschutzwand (vergleichbar Pasewalker Straße) entlang des Netzelementes N2

· Angesichts der großen Neubauvorhaben in den Bereichen Blankenburg, Malchow und Karow halten wir nördlich von Heinersdorf eine Verbindung von der Blankenburger Straße/ Heinersdorfer Straße zur BAB 114 grundsätzlich für sinnvoll, allerdings unter Beachtung folgender Aspekte:
o Der Straßenverlauf muss eine spätere Erschließung der Wohngebiete bzw. Verbindung zur Bundesstraße 2 berücksichtigen
o Die hierfür erforderliche Kreuzung mit der Blankenburger Straße/Heinersdorfer Straße muss als Kreuzung ohne Versatz bzw. als Kreisverkehr ausgelegt werden, um zukünftige Stauquellen zu vermeiden
o Diesbezüglich sollte der Verlauf des Netzelementes 4e grundlegend überarbeitet und nördlich der derzeitigen Planung ausgeführt werden
o Auch diese Straße muss ausreichend dimensionierte Geh- und Radwege sowie einen Lärmschutz für die Anwohner aufweisen


· Das sogenannte Netzelement N3 (Am Steinberg) halten wir nicht für sinnvoll, da es zusätzlichen Verkehr anlockt sowie Grünflächen und
Wohngebiete zerschneidet. Wir bevorzugen statt dessen die Schaffung einer Fahrrad-Schnellroute auf dieser Strecke (s.u.)

· Die bestehenden Hauptverkehrsstraßen in Heinersdorf müssen saniert und teilweise umgebaut werden:
o Alle Kreuzungen und Überwege müssen nach neuestem Standard umgebaut und barrierefrei gestaltet werden
o Gefahren durch schadhaften Straßenbelag müssen konsequent beseitigt werden
o Anstelle der jetzigen Einmündung der Blankenburger Straße in die Romain-Rolland-Straße sollte ein Platz geschaffen werden, um die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte zu verbessern
o In diesem Bereich an der Romain-Rolland-Straße Schaffung einer gefahrlosen Straßenbahnund Bushaltestelle an den Fahrbahnrändern mit Ausstieg auf den Bürgersteig, Durchfahrtmöglichkeit für den Autoverkehr auf der jeweils mittleren Fahrspur (s. Skizze)

                         


 · Es müssen Anreize geschaffen werden, den Autoverkehr langfristig zu verringern, durch
 o Die Einrichtung von Carsharing-Stationen
 o Die konsequente Verkehrsberuhigung von Wohngebieten
 o Ein Netz attraktiver Fahrradwege (s.u.)
 o Die Förderung des ÖPNV (s.u.)

Fahrradverkehr

Zur Zeit gibt es in Heinersdorf keine Radwege, mit Ausnahme von zwei provisorischen Teilstücken an der Blankenburger- und Rothenbachstraße. Wir fordern folgende Ergänzungen:

· Einrichtung ausreichender Radwege entlang aller bestehenden (Romain-Rolland-, Tino-Schwierzina-, Blankenburger- und Rothenbachstraße) (türkis) und neu zu bauenden Hauptverkehrsstraßen (Netzelemente N1, N2, N4) (grün) - zu N2 s. auch u. Route 3

· Schaffung des sog. ‚Panke-Trails’ als Radschnellweg (gelb)

· Schaffung eines Fahrradstraßennetzes durch Wohngebiete:
o Route 1 auf der Idunastraße von der Blankenburger Straße zum S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf, dort Anschluss an den Panke-Trail (rot)
o Route 2 Am Wasserturm – Eremitenstraße – sog. ‚Schwarzer Weg’ - Querung Prenzlauer Promenade – Kissingenstraße – nördl. Neumannstraße,
dort Anschluss an den Panke-Trail / südl. Neumannstraße, dort Anschluss an Fahrradroute Stahlheimer Straße - Pappelallee usw. (blau)
o Route 3 Heinersdorfer Straße – Am Steinberg – Querung Rennbahnstraße – Radweg parallel Netzelement N2 – Tiefbaugelände – Anschluss neues
Wohngebiet Blankenburger Pflasterweg (grün)

· Nutzung von verfügbaren Teilen der ehemaligen Industriebahntrasse für die weitere Ergänzung des Fahrradroutennetzes

· Schaffung ausreichender Fahrradstellplätze an der (neu zu gestaltenden, s.o.) Haltestelle Heinersdorf Kirche sowie am (ebenfalls umzubauenden, s.u.) S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf



ÖPNV

Heinersdorf bildet derzeit den Endpunkt der Straßenbahnlinie M2 und wird bedient durch die Buslinien 158 und X54. Durch den bereits heute zu erzeichnenden Zuzug und vor allem die Neubauvorhaben in den nördlich angrenzenden Bereichen sowie auf dem ehem. Güterbahnhof Pankow (‚Krieger-Gelände’) bedürfen diese Angebote einer deutlichen Ausweitung:

· Taktverdichtung auf der M2 zu einem 10-Minuten-Takt

· Hierzu Herstellung durchgängig zweigleisiger Schienen

· Schaffung einer neuen Straßenbahnlinie (sog. Tram 54) als Ost-West-Verbindung von Weißensee Pasedagplatz – Rennbahnstr. – Romain-Rolland-Str.
– Idunastraße – S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf – ‚Krieger-Gelände’ – S-Bahnhof Pankow – Anschluss an Strecke nach Rosenthal

· Perspektivisch Verlängerung der M2 zum neuen Wohngebiet am Blankenburger Pflasterweg über die Trasse des Netzelementes N2 – Tiefbaugelände
– Neubaugebiet – weiter bis zum S-Bahnhof Blankenburg

· Zur vorgeschlagenen Linienführung s. Skizze in Anlage

· Im Zuge der Tram-Anbindung Umbau des S-Bahnhofs Pankow-Heinersdorf, Schaffung eines von der Heinersdorfer Seite gut erreichbaren, barrierefreien Zugangs

· Umbau der Straßenbahn-Haltestelle Heinersdorf Kirche als Umsteigepunkt zwischen der M2 und der neuen sog. Tram 54 sowie ggfs. Buslinien. Kombi-Haltestelle für Bahnen und Busse mit Ausstieg auf den Bürgersteig (s. obige Skizze).

 

Bürgerbeteiligung

Der Bürgerverein Zukunftswerkstatt  Heinersdorf e.V. fordert Politik und Verwaltung auf, im Rahmen eines integrierten städtebaulichen Konzeptes - mit Bürgerbeteiligung von Beginn an - die erforderlichen Veränderungen auf den Weg zu bringen. Die Zukunftswerkstatt Heinersdorf steht in diesem Prozess als Partner jederzeit gern zur Verfügung.

 

Stand: 19.9.2016